Ein König auf Reisen

Die Tore zu Anubis Reich ist die Essenz mehrerer unveröffentlichter Bücher.

Nach dem Erscheinen von Epitaph in Rust bei Laser Books meldete sich Corgi Books aus Großbritannien und beauftragte Tim Powers, K. W. Jeter und Ray Nelson mit dem Schreiben einer zehnbändigen Serie von Büchern um Reinkarnationen von König Artus quer durch die Zeit, also Artus im amerikanischen Bürgerkrieg, im Kampf mit Excalibur gegen deutsche Panzer usw..

Die ersten Bände waren fertig und weitere in Arbeit, als Corgi das Projekt stoppte. Die drei versuchten ihre Texte an andere Verlage zu verkaufen (der Band von Jeter wurde zu Morlock Nights). Lester del Rey akzeptierte das Manuskript von Tim Powers, ließ es in Stücke zerteilen, auf doppelte Länge komplett neu schreiben und veröffentlichte es dann als The Drawing of the Dark.

Übrig blieben ein fertig gestellter Roman über Artus in London 1750 und ein Entwurf für einen weiteren 1810. Erneut zerlegte Tim Powers sie in Episoden, nahm den König heraus und fügte die besten Teile zu The Anubis Gates (zunächst unter Arbeitstitel Voyagers Blackwards) zusammen. Doch Lester del Rey mochte es nicht (gleiches galt dann auch für die Folgeromane) und auch ansonsten war kein Verleger zu finden, bis es sieben Jahre später Beth Meacham von Ace Books akzeptierte. Sie ließ es um ein Achtel kürzen, eine Änderung die auch später in allen weiteren Ausgaben beibehalten wurde, da der Autor sie als Verbesserung erachtet.

Preise

  • Science Fiction Chronicle Award 1984

  • Philip K. Dick Award für den besten Roman 1984

  • Apollo Award 1987

Ägyptische Mythologie

In der Vielzahl von Powers' Werken finden sich Bezüge und Symbolik ägyptischer Mythologie. Neben dem hohen Alter macht sie die Verknüpfung mit Astronomie so interessant.

Schöpfungsmythen bilden den Ausgangspunkt für viele Legenden um Gottheiten, darunter die der Ermordung von Osiris. Er und seine Schwester und Gemahlin Isis waren geachtete Herrscher Ägyptens, was den Neid ihres Bruders Seth hervorrief. Er sperrte Osiris in eine Kiste, warf sie in den Nil und übernahm die Macht. Isis gebar ihren Sohn Horus und lies ihn bei Menschen aufwachsen, ehe sie sich auf die Suche nach ihrem Gemahl begab und ihn ins Leben zurückrief. Seth tötete ihn erneut und dieses Mal gelang die Wiederbelebung nur unvollständig, da Isis nicht alle Teile des Körpers finden konnte, so dass er dem Reich der Toten verhaftet blieb. Anubis half Isis bei der Suche  und vollzog die Totenriten. Horus forderte Seth heraus und in einem schier endlosen verheerenden Kampf übernahm er das schwarze Land - Ägypten, während Seth die angrenzende Wüste bekam. In diesem Krieg wurde Horus ein Auge ausgestochen, das jedoch geheilt werden konnte. Seitdem steht es als Symbol für Heilung und Schutz und taucht mehrfach in der Handlung von Tim Powers-Büchern und auf ihren Umschlägen auf.

Die Hieroglyphen im Bild unten basieren auf Notizen des Autors für das Buch.

Das London der Armen

Die Szenen im London der verschiedenen Zeiten sind sehr plastisch und detailliert beschrieben. Neben den üblichen Quellen, wie den Romanen Charles Dickens', wird sehr häufig ein Werk als Referenz genannt, das wie kein zweites Informationen zum Viktorianischen Zeitalter in England bietet.

Henry Mayhew erforschte das Leben der Londoner Arbeiter und Armen in allen Aspekten - Alltag, Religion, Sprache und Rituale. Dazu führte er zahllose Interviews, so zum Beispiel mit dem "Rattenfänger ihrer Majestät". Diese Zeugnisse veröffentlichte Mayhew zunächst als Fortsetzung im Morning Chronicle, bevor sie 1851 in drei Bänden gesammelt als London Labour and the London Poor erschienen.

Tim Powers und seinen Freunden und Kollegen Blaylock und Jeters diente dieses Zeitdokument sowohl als Inspiration wie auch als Informationsquelle.

Samuel Taylor Coleridge

Coleridge (1772 – 1834), der Gegenstand der Zeitreise, war ein englischer Dichter, Kritiker und Philosoph der Romantik. Als jüngstes von 13 Kindern eines Pfarrers besuchte er ein christliches Internat. Ab 1791 studierte er in Cambridge und war bereits abhängig von Laudanum, später kam Opium dazu. Er heiratete 1795 und veröffentlichte im Folgejahr den ersten Band mit Gedichten Poems on Various Subjects. Seine literarische Partnerschaft mit William Wordsworth begründete die literarische Romantik in Großbritannien. Coleridges bekanntestes Gedicht The Rime of the Ancient Mariner erschien 1798 und hatte großen Einfluss auf die englische Sprache, auch seine weiteren Meisterwerke entstanden in dieser Phase. Nach einem Aufenthalt in Deutschland, auf Malta und nach der Trennung von seiner Frau hielt Coleridge Vorträge am Royal Institute in London.

In diese Zeit, die den Großteil der Handlung von Die Tore zu Anubis Reich bildet, fällt der zeitweise Bruch mit Wordworth. In Folge verfasste Coleridge überwiegend theoretische Schriften, seine Biographia Literaria (1817) ist ein wichtiger sekundärliterarischer Beitrag zur englischen Romantik.

Lord Byron

George Gordon Noel Byron, 6. Baron Byron of Rochdale (1788 – 1824) ist einer der bekanntesten Vertreter der englischen Spätromantik und eine Person, deren Leben außergewöhnlicher ist als ihr Werk. Nicht von ungefähr tritt er vielfach als Protagonist in Erscheinung.

Die Kindheit verlebte Byron bei seiner Mutter in Schottland, früh erbte er den Adelstitel und das zugehörige Anwesen. 1808 nahm er seinen Platz im House of Lords ein. Im Folgejahr ging er auf eine ausgedehnte Reise in den Mittelmeerraum: von Lissabon nach Spanien, weiter nach Malta, Albanien, Griechenland und die Küste Kleinasiens. 1812 machte ihn die Publikation der ersten beiden Cantos von Childe Harold bekannt. Getrieben von den ständigen Anfeindungen der englischen gehobenen Gesellschaft verließ er das Land im Jahr 1814 und begab sich unter anderem nach Venedig (siehe auch die Ereigniss von Die kalte Braut).

In Italien traf er Percy Bysshe Shelley, aufgrund seiner Beziehungen zu italienischen Separatisten wurde er nach Pisa verbannt, wo er bis 1823 lebte. Dort entstand auch der Pisan Circle. Anfang 1823 nahm Byron das ihm angebotene Kommando über die freien griechischen Streitkräfte an, starb jedoch wenig später in Griechenland in Mesolongi an den Folgen einer Unterkühlung.

Mythische Kreaturen

Der Werwolf in Die Tore zu Anubis Reich ist symptomatisch für die Verwendung von Mythen und Legenden durch Tim Powers. Im Gilgamesch-Epos erwähnt, wird der Werwolf in den griechischen Sagen verwendet und den kultischen Ritualen der Skythen. Auch Werwolfprozesse ähnlich derer um Hexen fanden statt, Lykanthropie mag so manche Verurteilung verursacht haben.

Dog Face Joes Auftreten im Roman gleicht nur auf den ersten Blick den klassischen Beschreibungen. Tim Powers’ Erklärungen solcher Phänomene sind anspruchsvoller, sie beinhalten komplexe Strukturen und Regeln, die in sich höchst logisch sind und zuweilen gar durch historische Dokumente und Überlieferungen gestützt werden.

Weitere Inspiration lieferte H. P. Lovecrafts Geschichte Das Ding auf der Schwelle, die unter anderem in dem Erzählungsband The Dunwich Horror enthalten ist. In ihr bekennt sich gleich zu Beginn der Ich-Erzähler zur Tötung seines Freundes Edward, leugnet aber, dass es sich um einen gewöhnlichen Mord gehandelt habe. Edward hatte sich nach der Heirat mit Asenath, der Tochter eines berüchtigten Hexers aus Innsmouth, verändert. In den kurzen klaren Phasen redet der schwächliche und hilflose Freund von der Übernahme seines Körpers durch die unheimliche Frau. Der Erzähler versucht ihm beizustehen, doch am Ende bleibt nur ein letzter Ausweg.

Andere Beispiele für die Verwendung von historischen Aufzeichnungen als Vorlage für Powersche Kreaturen sind die Lamia in Die kalte Braut oder die Djinn in Declare.

 
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